Donnerstag, April 19, 2018

Machergreifungen ... (?) Gretel Baum 1913/ 1933/ 2018

Heute las ich zum ersten Mal (in der Tagezeitung) über Gretel Baum.
"Den 1. Weltkrieg, Weimar, die Nazizeit – das alles hat Gretel Merom erlebt. Sie ist 105 Jahre alt. 1934 ging sie als überzeugte Zionistin nach Palästina.".
Sie wohnte - wie Anne Frank, (geb. 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main, gest. Februar oder Anfang März 1945 im KZ Bergen-Belsen) - in Frankfurt am Main. Gretel Baum wurde in Frankfurt im Jahre 1913 geboren.
"Viele deutsche Juden lassen sich wie Gretels Vater in ihrem Patriotismus nicht überbieten und ziehen für Kaiser und Vaterland in den [1. Welt-] Krieg. Vater Norbert Baum kommt aus kleinen Verhältnissen aus Hasselbach im Taunus. Die Mutter Julie Baum entstammt der angesehenen Familie Geiger, die schon seit dem 17. Jahrhundert in Frankfurt ansässig ist. [...]
Nach der Inflation [1914-1923] und dem fehlgeschlagenen Hitler-Putsch [8. und 9. November 1923] stabilisiert sich die Weimarer Republik, die Nazis gelten als Randerscheinung. Die Juden sind in Deutschland gleichberechtigte Bürger. Kaum einer von ihnen kann mit der Vorstellung einer Auswanderung nach Palästina etwas anfangen. [...] "
Gretel Baum sagt 2018 [a.a.O.]:
„Nach der Machtübernahme der Nazis hat man erst bemerkt, wie viele Leute der NSDAP angehörten.
Unser Deutschlehrer war plötzlich ein ganz großer Mann in der Partei. Ich hatte die Schule ja glücklicherweise schon abgeschlossen.
Am 1. ­April 1933, dem Tag des Boykotts gegen jüdische Geschäfte, war ich in Frankfurt, aber ich weiß nicht mehr, wo. Ich weiß nur, dass ich froh war, dass ich bald [nach Palästina] wegkonnte.
Mein Vater ist an diesem Tag ins Geschäft gegangen. ‚Ich habe keine Angst‘, hat er gesagt.
Er ist verprügelt worden, und die Nazis haben das Geschäft beschmiert. Aber meine Eltern haben geglaubt, dass es nicht so schlimm werden würde. Sie dachten, das würde wieder vorübergehen. ‚Ich liebe Deutschland‘, hat mein Vater immer gesagt."
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Heute las ich in der Tageszeitung an anderer Stelle über das "Netzwerk AfD" und die Folgen des Einzugs der AfD in den Deutschen Bundestag.
Ein Sammelbecken für Rechte war die AfD schon vorher, jetzt ist sie auch eine Jobbörse. Die Bundestagsfraktion wirkt wie ein brauner Schwamm, der Rechte aus allen Milieus absaugt – vom rechten Flügel der Union bis zu völkischen Neonazis.
Und aus allen Milieus heißt eben auch, dass nun sogar diejenigen dabei sind, die vorher verstreut und möglichst unauffällig in Consultingfirmen, in Redaktionen, den Büros der „etablierten Parteien“ oder bei der Bundeswehr waren.


Was werden sie wohl tun? Das, was sie immer getan haben, nur (besser) bezahlt: Jetzt haben sie als MitarbeiterInnen der AfD zu Hunderten die Möglichkeit, hauptberuflich jeden Tag rund um die Uhr rechte Politik zu machen – und nun, ohne ihre Gesinnung aus Rücksicht auf Arbeitgeber oder aus Angst vor Nachteilen verstecken zu müssen. In den Wahlkreisen, den Berliner Büros und in den Fraktionsbüros sitzen nun die AktivistInnen der „Jungen Alternative“, rechte Burschenschafter und neurechte PublizistInnen, politische Irrlichter und OrganisatorInnen rechtspopulistischer Demonstrationen. Sie können ihre jeweiligen „Kompetenzen“ einbringen und ihren Einfluss geltend machen. Sie verfügen über Millionen Euro aus Steuergeldern, haben Zugang zu exklusiven Informationen und können die Bühne der medialen Öffentlichkeit nutzen, um ihre Propaganda zu verbreiten und die Grenzen des Sag- und Machbaren immer weiter und weiter nach rechts zu verschieben.

Der Extremismusexperte Eckhard Jesse schrieb 2016: „[D]as Aufkommen einer Partei wie der Alternative für Deutschland […] ist ein Zeichen der Normalisierung, keines der Gefahr, wie es mitunter alarmistisch heißt.“ Das kann man natürlich so sehen: [...] [Quelle]
 Ja, das kann man natürlich so sehen.
Doch irgendwie erinnert mich das auch an den Satz von Gretel Baum:
„Nach der Machtübernahme der Nazis hat man erst bemerkt, wie viele Leute der NSDAP angehörten."

Dann hört es sich plötzlich an wie:
Nach dem Einzug der AfD in den Bundestag, als es plötzlich um gut bezahlte Posten und Mandate ging,  hat man erst bemerkt, wie viele Rechte aus allen Milieus vorher verstreut und oft möglichst unauffällig in Consultingfirmen, in Redaktionen, den Büros der „etablierten Parteien“ oder bei der Bundeswehr, der Polizei, in Burschenschaften ... waren.

Verlag Hartung-Gorre;
Auflage: 1 (9. Februar 2009)

Montag, April 16, 2018

Juso Kevin wollte 2018 keine GroKo in Berlin. - Sein Parteigenosse Lenin wollte 1917 auch keine GroKo in Petersburg


2018:
Wir sind die Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD, kurz: Jusos. Bei uns engagieren sich bundesweit über 70.000 Menschen im Alter zwischen 14 und 35 Jahren.

Unsere Grundwerte sind Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. ... Wir wollen den Kapitalismus überwinden und treten für eine andere Gesellschaftsordnung, den Sozialismus, ein. Wir kämpfen für unsere Vorstellung von einer Gesellschaft der Befreiung der Menschen in der Arbeit, der sozialen Sicherheit und persönlichen Emanzipation. Sozialismus ist für uns keine unerreichbare Utopie, sondern notwendig, um die Probleme unserer Zeit zu lösen.
[Quelle]

"Juso-Chef Kevin Kühnert war mit seiner „NoGroKo“-Tour in Deutschland unterwegs. Nach Schulz´Rückzug sprach er im Interview über sein Vorhaben und seine Ziele. Quelle: WELT


Warum keine GroKo?

Unter anderem:
  • Zwei Ziele – der Ausstieg aus der Zwei-Klassen-Medizin und eine weitergehende Härtefallregelung für Bürgerkriegsgeflüchtete – wurden klar nicht erreicht.
  • Statt konkrete politische Leitlinien für eine mögliche Regierung festzulegen, verliert sich der Vertragsentwurf insgesamt in mehr als einhundert Prüfaufträgen und bleibt eher bei einem „Weiter so“. Anstatt die Top-Themen Digitalisierung oder Integration mit einem eigenen Ministerium aufzuwerten, bekommen wir nun ein Heimatministerium mit Orban-Freund Horst Seehofer an der Spitze. [...] Quelle
Die Alternative für Deutschland??? 
Ist noch nicht in Sicht.

Und die Alternative für Deutschland ist keine Alternative für Deutschland. 
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Ausschnitt aus einer Illustration von Eléonore Roedel in der taz
Rudi Dutschke
ist seit fast 40 Jahren tot.
Manche in der damaligen SPD-Generation hatten noch Visionen.
Zum Beispiel in Bonn am 28. Oktober 1968, (gut elf Jahre bevor Rudi Dutschke starb):
  
Willy Brandt:
"Wir wollen mehr Demokratie wagen.
Wir werden unsere Arbeitsweise öffnen und dem kritischen Bedürfnis nach Information Genüge tun. Wir werden darauf hinwirken,
daß nicht nur durch Anhörungen im Bundestag,
(Abg. Dr. Barzel: Anhörungen?)
sondern auch durch ständige Fühlungnahme mit den repräsentativen Gruppen unseres Volkes und durch eine umfassende Unterrichtung über die Regierungspolitik jeder Bürger die Möglichkeit erhält, an der Reform von Staat und Gesellschaft mitzuwirken." (Willy Brandt in seiner Regierungserklärung)

Rudi Dutschke war im SDS und nicht in der SPD  (SDS = Sozialistischer Deutscher Studentenbund, ein Studentenverband in Westdeutschland und West-Berlin, der von 1946 bis 1970 bestand.
Er war der Hochschulverband der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands SPD gewesen, bis sich im Mai 1960 der Sozialdemokratische Hochschulbund SHB von ihm abspaltete. Wikipedia)

1979 machte Rudi Dutschke aktiv Wahlkampf für die Grüne Liste in Bremen und wurde zum Delegierten für den Gründungsparteitag der Grünen gewählt.
Am 24. Dezember 1979 starb er und konnte seine Ämter nicht mehr wahrnehmen. Als der Gründungskongress der Grünen im Januar 1980 stattfand, blieb ein symbolischer Platz am Tisch leer.

Mit der parlamentarischen Demokratie hatte Dutschke nicht viel am Hut. Er war für die Errichtung einer Räterepublik, inspiriert von den Räterepubliken von Luxemburg und Liebknecht am Ende des Ersten Weltkriegs.

Am 3. Dezember 1967 erklärte Dutschke in einem Fernsehinterview,
er lehne das parlamentarische System ab.
Es sei unnötig, repräsentiere nicht die „wahren Interessen unserer Bevölkerung“,
trete nicht in einen kritischen Dialog
und halte das Volk klein.
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Und was hat Lenin damit zu tun?

Lenin war Sozialdemokrat, Mitglied der SDAPR, der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands, wenn auch später dann der Führer der Bolschewiki, der SDAPR(B), zunächst noch eine Fraktion innerhalb der SDAPR.

Die eigentlichen russischen Revolutionen fanden 1905 (Blutsonntag) und im Februar 1917 (Februar-Revolution) statt - nicht im Oktober 1917 (Oktober-"Revolution"). 

In einer schwachen Stunde nach dem Blutsonntag musste der Autokrat Zar Nikolaus II. im Oktobermanifest von 1905 der Einführung eines allrussichen Parlamentes (Duma) zustimmen. Dieses erste gesamtrussische Parlament wurde vom 26. März bis 20. April 1906 gewählt, (hatte aber nicht allzuviel zu sagen).

Nach der nächsten russischen Revolution

gegen Ende des 1. Weltkrieges, der "eigentlichen/richtigen" Russischen Revolution vom Februar 1917 dankte der Zar ab: 1917 drängte die Mehrheit in der Duma die letzte Regierung des Zaren zum Rücktritt und bildete aus sich heraus eine Provisorische Regierung unter dem liberalen Fürsten Lwow. - (Lenin war bei keiner der russischen Revolutionen in Russland persönlich dabei, kam immer erst später aus dem Ausland dazu.)

Zwischen Februar und Oktober 1917

gab es im gleichen Flügel des Palastes parallel zur Provisorischen Regierung eine Räte-Regierung (Petrograder Sowjet), also eine Doppelherrschaft zweier Regierungen und Systeme. Die endgültige Lösung sollte eigentlich durch eine Verfassungsgebende Versammlung im Jahre 1918 gefunden werden. Doch dem kamen Lenin und seine Bolschewiki durch einen Staatsstreich mit einem Stoßtrupp im Winterpalais zuvor, ließen am 25. Oktober 1917 alter Zeitrechnung (7. November gregorianischer Zeitrechnung) die Provisorische Regierung verhaften, später auch die Räte entmachten, die Zarenfamilie töten und nannten das Ganze dann die Große Sozialistische Oktoberrevolution. - Der Rest ist Geschichte. -
Wie es ohne Putsch/Staatsstreich Lenins/Trotzkis... mit der Duma und der Verfassungsgebenden Versammlung und der Weltgeschichte weiter gegangen wäre, wird man nie wissen.

Also:
Keine Große Koalition mit Lenin im Jahre 1917 und keine mit Kevin im Jahr 2018...
Und zum Staatsstreich fehlten Kevin noch die Truppen, die Roten Garden, die Trotzki für Lenin aufgebaut hatte.
Und wie geht es nun weiter? Mit Kevin? Mit der SPD? Mit Deutschland? Mit der EU...?



Ein Buchtitel aus dem Jahr 1986
und Sprüche Salomos 29,18 (um 500 v.Chr.)






"Ich bin ein Sozialist, der in der christlichen Tradition steht. Ich bin stolz auf diese Tradition. Ich sehe das Christentum als spezifischen Ausdruck der Hoffnungen und Träume der Menschheit.“

Rudi Dutschke (1949-1979)



Montag, Februar 12, 2018

Die GroKo und Lenin; die Krise der SPD und Nahles; nebst August Bebel


Gemeinsam "was" bewegen. - Aber was?
  • Aktuell, Mitte Februar 2018, sagen die Prognosen von INSA und Infratest dimap, bekäme die SPD bei einer Bundestagswahl 16-17% der Wählerstimmen (statt 20,5 bei den Bundetagswahlen im September 2017, das waren damals 9.539.381 Zweitstimmen).
  • Das entspäche heute, bei gleicher Wahlbeteiligung, noch etwa 7,5 Millionen Zweitstimmen.

Immer noch ist die SPD die mitgliederstärkste deutsche Partei mit ca. 450.000 Mitgliedern.

Quelle

Es war einmal im Deutschen Kaiserreich: Die stärkste der Partei`n.
Seit 1869 gab es die von August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach gegründete Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP). Oftmals wird das Jahr 1875 als das eigentliche Konstituierungsdatum genannt, als am Ende des Vereinigungsparteitages vom 22. bis 27. Mai in Gotha sich der ADAV und die SDAP zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) zusammenschlossen.[Wikipedia]

Die frisch vereinigte Sozialdemokratie hatte
  • 1876 38.000 Mitglieder
  • nach der Aufhebung der Sozialistengesetze 1890 schon 100.000, 
  • 1907 ca. 500.000 
  • und 1914, vor dem Ersten Weltkrieg, fast 1,1 Millionen.

Wähler hatten die Sozialdemokraten:
  • 1877 eine halbe Million
  •  1890 1,4 Millionen
  • und 1912 fast 4,3 Millionen.
(Wählerinnen gab es im Deutschen Reicherst ab 1918.)

Damit waren die Sozialdemokraten im Deutschen Reich - und auch in ganz Europa - sowohl nach Mitgliedern als auch nach Wählerstimmen die größte aller Parteien, in großen Städten wie Hamburg oder Berlin bekam sie am Ende sogar 50% bzw. 60% der Wahlstimmen.

  • Warum? (Siehe auch unten, Bebel). 

Im ersten Entwurf des Erfurter Programms von 1891 stand aus taktischer Rücksichtnahme noch nicht einmal die Forderung nach Sturz der Monarchie und nach einer demokarischen Republik, was Friedrich Engels sehr ärgerte, denn nur mittels der einen und ungeteilten Demokratischen Republik können "unsere Partei und die Arbeiterklasse ... zur Herrschaft kommen".

»Die tiefste Bindekraft der deutschen Sozialdemokratie lag aber vielleicht darin, dass die Zauberformel vom "wissenschaftlichen Sozialismus" als ein universeller Deutungskosmos fungierte, der es jedem halbwegs geschulten Parteimitglied erlaubte, von einem "archimedischen Punkt" aus das gesellschaftliche Ganze zu überblicken - um, wenn die Zeit gekommen war, in einer großen entscheidenden Befreiungsaktion des Weg in eine bessere Zukunft zu bahnen. Und diese Zeit schien nahe. [...]

Der eigentliche Haltepunkt dieser übergroßen Zuversicht waren die immer neu aufgefrischten Prognosen eines "Großen Kladderadatsch", vom dem August Bebel erstmals auf dem Exil-Kongress der Partei in Sankt Gallen 1878 gesprochen hatte, der finalen Krise der bürgerlichen Gesellschaftsordnung, nach der nur noch der sozialistische "Zukunftsstaaat" kommen könne - den er (entgegen den Marx`schen  Bilderverboten) immer lebhafter ausmalte [...] als eine sinnliche, handfeste, aus dem Material der Gegenwart und den Alltagsbedürfnissen der Menschen geschöpfte Vorstellung.« [Quelle: Koenen, Die Farbe rot, Teil VII/3]

Bildquelle
FESTGESANG DES WIENER ARBEITERBILDUNGSVEREINS 1873

O Wissensmacht, füll` unsern Bund
Mit deiner ganzen Stärke,
Und gib dich unbesiegbar kund
In uns`rem großen Werke!
Sei uns`re Rüstung, unser Schild
Und uns`rer Waffen Schärfe,
Daß unser Arm das Götzenbild
Der Zeit in Trümmern werfe. 


Anders als "damals": 
  • Es fehlt der Sozialdemokratie und "der" Linken heute die große Erzählung, das Narrativ
Die "Wissensmacht" - 
Das war der "wissenschaftliche Sozialismus" von Karl Marx & Friedrich Engels
("Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft", geschrieben bis März 1880, 1882 erstmalig veröffentlicht in deutscherSprache),
der die Gewissheit verschaffte, dass der Lauf der Weltgeschichte gesetzmäßig zum Sozialismus führen werde.
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Deutschland 1997
»Als Juso-Vorsitzende brüllte Andrea Nahles 1997, die „Neoliberalen in der SPD von Clement bis Schröder“ müssten politisch kaltgestellt werden. Aber sie legt in diesen Jahren gleichzeitig das Fundament für ihre Karriere – und sammelt Kontakte. Nahles ist in der Partei bestens vernetzt... .« [Quelle]  
Deutschland 2009:
»SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hat in ihrem neuen Buch mit der ehemaligen Parteiführung abgerechnet. Altkanzler Schröder habe mit der Agenda 2010 den SPD-Anspruch, "eine ausgleichende Modernisierungspartei" zu sein, aufgeben. Ex-Parteichef Müntefering sei im Wahlkampf 2009 ein regelrechter Wählerschreck gewesen.[...]

Die neue SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hat in scharfer Form mit dem Kurs von Gerhard Schröder und Franz Müntefering abgerechnet. Die Politik des früheren Kanzlers und des ehemaligen Parteichefs habe die SPD in die Krise geführt, schreibt Nahles in ihrem neuen Buch. Von diesem "Ballast der Vergangenheit“ müsse sich die SPD rasch befreien.

Nach Überzeugung der 39-Jährigen liegen die Ursachen für die anhaltende Misere der Partei „maßgeblich“ in Schröders Reform-Agenda 2010. Mit diesem Konzept habe die SPD ihren Anspruch aufgegeben, „eine gestaltende, ausgleichende Modernisierungspartei“ zu sein. Sie habe stattdessen mit der Agenda einseitig neoliberale Positionen zur „Entfesselung von Marktkräften“ übernommen. „Der oberlehrerhafte Ton, mit dem wir den Menschen die Alternativlosigkeit unseres Handelns schmackhaft machen wollten, hat das alles nicht besser gemacht.“ ...

Die Schablonen der Neoliberalen zu variieren, führt nicht zum Dritten Weg der Sozialdemokratie, sondern zum Verzicht auf eigene Gestaltungsmacht“, hält sie dem Ex-Kanzler entgegen. Nach Nahles' Ansicht wurde die von Müntefering in der großen Koalition durchgesetzte Rente mit 67 „zum Synonym für die endgültige Abwendung der SPD von den Gefühlen und Problemen der kleinen Leute“. Diese „von oben verordnete Erhöhung des Rentenalters für alle“ sei denkbar ungeeignet gewesen, die Rentenkassen langfristig zu sichern. «
 Quelle
Springer-Verlag,
15.08.2007
3. Auflage 2016
Deutschland 2018

Der Ex-Sozialdemokrat, Politikwissenschaftler und Armutsforscher Christoph Butterwegge trat im Jahre 1970 in die SPD ein, wurde 1974 von der Bezirkskonferenz Westliches Westfalen in den Juso-Bezirksvorstand gewählt und 1975 aus der SPD ausgeschlossen.
Am 1. Januar 1987, nachdem sich Gerhard Schröder, der mit ihm bei den Jungsozialisten auf Bundesebene zusammengearbeitet hatte, persönlich für ihn eingesetzt hatte, wurde er wieder in die SPD aufgenommen.
Weil er fürchtete, die Große Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel werde die Reformpolitik gegen die „kleinen Leute“ und den Sozialstaat verschärft fortsetzen, trat Butterwegge am 18. November 2005 – als CDU, CSU und SPD in Berlin den Koalitionsvertrag schlossen – aus der SPD aus und blieb seitdem parteilos. [Quelle]

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Christoph Butterwegge am 9.2.2018 in einem Interview:
»Die SPD droht an Fehlern aus der eigenen Vergangenheit zu scheitern.
Nicht die Großen Koalitionen von 2005 und 2013 sind für den Niedergang der SPD verantwortlich,
sondern ihre „Agenda“-Politik, die im Bündnis mit der Union modifiziert fortgesetzt wurde.
SPD-Sonderparteitag 21.01.2018
Quelle: phoenix/youtube Screenshot
Dass die SPD nach 1998 die Hälfte ihrer Wähler verloren hat, ist einerseits der Enttäuschung vieler Menschen über ihre Regierungspraxis geschuldet – und andererseits der Tatsache, dass sie ihre Stammklientel, die damals noch aus Facharbeitern bestand, durch eine Prekarisierung der Arbeitswelt mit zerstört hat.
Unter dem Damoklesschwert von Hartz IV akzeptierten Belegschaften, Betriebsräte und Gewerkschaften schlechtere Arbeitsbedingungen und sinkende Löhne. Heute ist der Niedriglohnsektor, in dem fast ein Viertel aller Beschäftigten tätig sind, das Haupteinfallstor für Erwerbs-, Kinder- und spätere Altersarmut.[...]
Statt die pragmatische Linie des Regierungsflügels von Helmut Schmidt über Gerhard Schröder zu Martin Schulz fortzusetzen,muss sich die Partei wieder in die Tradition von August Bebel und Willy Brandt stellen.
Brandt hat es mit seiner Ost- und Entspannungspolitik, dem Versprechen, mehr Demokratie wagen zu wollen, und dem Programm der inneren Reformen seinerzeit geschafft, aus einer Juniorpartnerschaft mit der Union heraus den Regierungs- und Politikwechsel herbeizuführen.
Anders als damals verkörpert die SPD heute keine überzeugende Alternative zu den übrigen Parteien. Was sie braucht, sind neue Köpfe mit fortschrittlichen Ideen. [...] « [Das ganze Interview & Quelle]
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Butterwegge (Jg. 1951) und Nahles (Jg. 1970)
scheinen in vielen Punkten Geschwister im Geiste zu sein, was die SPD, Ex-Kanzler Schröder und den Neoliberalismus in der SPD betrifft. Allerdings meint Butterwegge trotzdem:
"Was sie [die SPD] braucht, sind neue Köpfe mit fortschrittlichen Ideen. Eine politische Aufbruchstimmung verbreiten weder Olaf Scholz noch Andrea Nahles, die beide schon SPD-Generalsekretär/in und Minister/in in einer Großen Koalition waren." 
August Bebel (1840-1913) und Willy Brandt (1939-1992) sind tot.
Zumindest physisch. Brandt liegt begraben auf dem Waldfriedhof in Berlin Zehlendorf und Bebel auf dem Sihfeld-Friedhof in Zürich-Wiedikon.





















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Die Wikipedia-AutorInnen schreiben:
"Bis zu seinem Tod blieb Bebel der allseits anerkannte Führer der deutschen Sozialdemokratie. Auch innerhalb der Sozialistischen Internationale genoss Bebel ein weltweites Ansehen, wie es nach ihm als deutscher Sozialdemokrat wohl nur noch Willy Brandt erreichte."
Bebel:
Zeitgenosse von Karl Marx, Friedrich Engels, Kaiser Wilhelm II. und Bismark, Handwerker, Fabrikant, Hersteller von Tür- und Fensterklinken, zeitweise Mitglied des Sächsischen Landtages, des Deutschen Reichstages, begnadeter Redner, "der rabiate August", Autor von "Die Frau und der Sozialismus", "Arbeiterkaiser", großer Vereinfacher und Popularisator, Volkstribun, vor Gericht als Hochverräter. Er ernannte "Das Kapital" von Karl Marx zur "Arbeiter-Bibel".
"Schließlich ist die SPD zur Massenpartei geworden, weil ein Volkstribun wie August Bebel mit [...] Wortgewalt die soziale Ungerechtigkeit des frühen Industriekapitalismus, die Kriegsabenteuer des Imperialismus und die Selbstherrlichkeit des kaiserlichen Halbabsolutismus geißelte [...]" 
August Bebel und Wilhelm Liebknecht waren die letzten Inhaftierten im Schloss Hubertusburg in Nordsachsen, das Bebel als seine "Haftuniversität" bezeichnete.























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Fortsetzung folgt.
- Aber erst in einem separaten Post - Sonst wird dieser Post zu lang ...

Was hat die GroKo 2017/18  mit Lenin 1917 zu tun ?

Der Sozialdemokrat Lenin und die GroKo im Russischen Reich 1917.

Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), wurde 1898 in Minsk gegründet.

9 Personen aus 6 verschiedenen Gruppen vereinigten sich zu einer Partei.
Eine der 6 Mitgliedsorganisationen war auch der "Bund", d.h. der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund in Litauen, Polen und Russland.

  • 1903, auf dem II. Parteitag, hatte die Partei 5000 Mitglieder. Der Parteitag musste im Geheimen in Brüssel beginnen, 
  • wurde ausgewiesen, 
  • deshalb in London fortgesetzt. 
Die Partei spaltete sich dort in zwei Flügel, die Menschewiki (= die Minderheitler, die aber eigentlich die Mehrheit innerhalb der Partei stellten)
und die Bolschewiki (= Mehrheitler, die aber in der SDAPR stets in der Minderheit waren -
außer bei einer wichtigen Abstimmung zur Parteifrage auf eben diesem II. Parteitag 1903 , bei dem der Flügel um Lenin die Mehrheit hatte. Genauer gesagt: 24 zu 22 Stimmen, aber nur deshalb, weil der Jüdische Bund (s.o.) den Parteitag vorzeitig verlassen hatte.

Seitdem hatte die SDAPR zwei Flügel, (B) und (M), blieb aber vorerst noch eine Partei. - Anders als in Deutschland 2007, als sich dort "Die Linke" als separate Partei gründete.

"Programmatisch waren sich beide Flügel der SDAPR 1903 einig:

Die SDAPR verstand sich als marxistische Partei, die nach einer Revolution der Industriearbeiter eine Diktatur des Proletariats errichten wollte, die in eine klassenlose Gesellschaft münden sollte." -


1918, also erst nach der so genannten  Oktoberrevolution in Russland, wurde der bolschewistische/leninistische Flügel der Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR/(B) in Kommunistische Partei Russlands (Bolschewiki) = KPR (B) umbenannt. [Quelle] 

Oktober-Revolution?
Die eigentliche Revolution (Abdankung des Zaren) fand 1917 im Februar statt, nicht im Oktober/November 2017.
Lenin hatte die Februar-Revolution 2017 (heutige Zeitrechnung: am Weltfrauentag 8. März 2017 und in den Tagen danach) verpasst (da war er noch in Zürich und kam erst im April 2017 nach Petersburg zurück -  in dem berühmten Zug, finanziert vom Deutschen Kaiser).

Ebenso hatte er schon die Revolution vom Januar1905 verpasst (er kam erst im Herbst in Petersburg an).
"Nach dem Petersburger Blutsonntag und der durch ihn ausgelösten Revolution von 1905 stimmte Zar Nikolaus II. im Oktobermanifest der Schaffung einer Staatsduma als zweiter Kammer neben dem Reichsrat zu. Dieses erste gesamtrussische Parlament wurde vom 26. März bis 20. April 1906 gewählt. Während die sozialistischen Parteien die Wahl boykottierten, setzten die liberalen Reformer große Hoffnungen auf die erste Duma, die im Taurischen Palais tagte.

Quelle
Die Vorgänge im Oktober 2017 (nach heutiger Zeitrechnung November 2017) waren eher ein Handstreich, ein Putsch, ein Staatsstreich  oder wie man es auch nennen mag: 

Lenin ließ die Regierung Kerenski - ohne großen Widerstand - im Winterpalais verhaften [einen Sturm auf das Winterpalais gibt es nur im Stummfilm von Sergej Eisenstein aus dem Jahre 1928] und bestimmte selber eine neue Regierung.
Kerenski selber hatte zu diesem Zeitpunkt schon das Weite gesucht, manche Quellen sagen: In Frauenkleidern als Krankenschwester verkleidet. - Auch Lenin selber bewegte sich in Petersburg meistens verkleidet als Matrose oder Arbeiter. Kaum jemand hat ihn je in der Öffentlichkeit live gesehen, außer bei seiner Rückkehr aus der Schweiz und seinem Empfang auf dem Bahnhof in Petersburg im April 2017. ... Da wurden die oft gezeigte und gesehene Szene aufgenommen, die wohl viele Menschen kennen.

Siehe auch
Nicht ohne Reiz: Lenin und Kerenski waren zeitweise Schulkameraden gewesen. Beide gingen auf dieselbe Schule in Simbirsk,

Quelle
deren Direktor zu der Zeit Kerenskis (sehr konservativer) Vater war und dessen Schulrat (der progressive) Vater Lenins war.  ---- Ob jemand die Psychodynamik dieses Vorgangs schon untersucht hat, weiß ich nicht.

Samstag, Januar 20, 2018

Boris Palmer, Donald Trump und der Rassismus

Neulich las ich, 
  • dass US-Präsident Donald Trump "sich zumindest selbst für den am wenigsten rassistischen Menschen auf Donalds schöner Erde hält".
Ebenfalls heute las ich: 
Hält auch OB Palmer sich selbst für den am wenigsten rassistischen Menschen in dieser seiner schönen Stadt Tübingen? Ist Boris Palmer gar ein Rassist?

  • OB Neher: "Das Wort Rassist hat natürlich auf Grund der deutschen Geschichte immer eine Bedeutung, die man dann vielleicht immer etwas zu extrem sieht; aber es ist schon so, dass ich auch weiterhin seine gewissen Äußerungen auf Facebook im rassistischen Sinne sehe. Und ich verstehe darunter Äußerungen, wenn man versucht, ja, sei es Statistik oder anderen Merkmalen einer Gruppe eine Eigenschaft zuzuschreiben, die dann als Merkmal einer ganzen Gruppe zu gelten scheint."
  • OB Palmer: "Wenn schon der OB von Tübingen, der den Grünen angehört und schon seit 20 Jahren demokratische Politik macht, ein Rassist ist, dann ist das ein Allerwelts-Vowurf - Christian Ude hat`s gesagt - wie Du Depp, und dann ist er völlig entwertet, und deshalb bitte ich um die Präzision, Rassisten Rassisten zu nennen - und nicht Oberbürgermeister, die eine andere Meinung haben."
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Wikipedia/de:
"[...] Rassismus zielt dabei nicht auf subjektiv wahrgenommene Eigenschaften einer Gruppe, sondern stellt deren Gleichrangigkeit und im Extremfall deren Existenzberechtigung in Frage. Rassische Diskriminierung versucht typischerweise, auf (projizierte) phänotypische und davon abgeleitete persönliche Unterschiede zu verweisen. Unabhängig von seiner Herkunft kann Rassismus jeden Menschen betreffen. Das Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung unterscheidet nicht zwischen rassischer und ethnischer Diskriminierung. [...] Der Begriff des Rassismus überlappt mit dem der Fremdenfeindlichkeit und lässt sich oft nur ungenau von diesem unterscheiden. Teile der Sozialwissenschaft unterscheiden zwischen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus."

Wikipedia/en 

"This article is about human races as a social concept and in anthropology. For the sociological concept, see Race and society. For "the human race" (all of humanity), see Human. For the term "race" in biology, see Race (biology)."

"Race is a concept used in the categorization of humans into groups, called races or racial groups, based on combinations of shared physical traits, ancestry, genetics, and social or cultural traits. Although such groupings lack a firm basis in modern biology, they continue to have a strong influence over contemporary social relations. First used to refer to speakers of a common language and then to denote national affiliations, by the 17th century race began to refer to physical (phenotypical) traits. The term was often used in a general biological taxonomic sense, starting from the 19th century, to denote genetically differentiated human populations defined by phenotype."
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Rassismus-Keule?

Quelle
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 OB Boris Palmer schreibt.
"Boris Palmer, Deutschlands bekanntester grüner Bürgermeister, zeigt, dass wir bei aller Hilfsbereitschaft auch offen über die Grenzen der Belastbarkeit sprechen müssen - etwa über Bildungs- und Jobchancen, über Wohnungsnot, den Umgang mit Gewalt und Abschiebung oder Fragen von Ordnung und Sicherheit. Denn nur wenn wir die Probleme offen benennen, können wir den Rechtspopulisten das Wasser abgraben." [Quelle]
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Manche Menschen sagten:
  • Der Titel ist eine Selbstverständlichkeit. Warum nennt Herr Palmer sein Buch so?
  • Wollte er nicht eigentlich sagen: "Wir WOLLEN nicht allen helfen"
  • Und wer ist eigentlich mit "WIR" gemeint?
  • Warum heißt der Titel nicht: "ICH kann nicht allen helfen"? - Dann wäre es ein sehr ehrlicher Titel. __________________________________________________

"WIR" helfen sowieso nicht "allen". 

Wem WOLLEN WIR helfen? 
Und wer sind WIR und wenn ja wie viele?

Ja, Deutschland ist eins der reichsten Länder der Welt und dadurch für seine Umgebung ein attraktives Ziel nicht nur für politisch Verfolgte, Diskriminerte, Vertriebene, Kriegsflüchtlinge, Umweltflüchtlinge, Asylsuchende ..., sondern auch für die "dreamer".

Quelle
Wer hilft sonst noch?

„Wir sind nicht das Sozialamt der Welt“ (Markus Söder). 
"Wir können nicht allen helfen" (Boris Palmer).
Stimmt: Andere helfen mit:


2015:
  • In absoluten Zahlen nahm die Türkei bis 30. Juni 2015 mit 1,84 Millionen die meisten Flüchtlinge unter UNHCR-Mandat auf.
  • Im Verhältnis der Flüchtlingszahl zur einheimischen Bevölkerung hat der Libanon mit 209 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern die meisten Menschen aufgenommen.
  •  Mit 469 Flüchtlingen pro Dollar des Bruttoinlandsprodukts trägt Äthiopien in Relation zu seiner Wirtschaftskraft die größte Last.
  • Das Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland ist 28 Mal so hoch wie in Äthiopien.  
  • Den Großteil der Verantwortung für die Aufnahme von Flüchtlingen tragen weiterhin jene Länder, die unmittelbar an die Konfliktzonen angrenzen; viele von ihnen sind Entwicklungsländer.
Die sechs größten Aufnahmeländer von Flüchtlingen bis Ende 2016
1. Türkei - 2,9 Millionen
2. Pakistan - 1,4 Millionen
3. Libanon - 1 Million
4. Iran - 979.400
5. Uganda - 940.800
6. Äthiopien - 791.600

Länder mit den meisten Binnenvertriebenen
  1. Kolumbien - 7,4 Millionen
  2. Syrien - 6,3 Millionen
  3. Irak - 3,6 Millionen
  4. Demokratische Republik Kongo - 2,2 Millionen
  5. Sudan - 2,2 Millionen
  6. Nigeria - 2,2 Millionen
  7. Jemen - 2 Millionen
  8. Südsudan - 1,9 Millionen
  9. Ukraine - 1,8 Millionen
  10. Afghanistan - 1,8
  11. Somalia - 1,6
UN-Jahres-Statistik 2017 der Aufnahmeländer
  • Pakistan (1,4 Millionen Flüchtlinge)
  • Libanon, Iran und Uganda jeweils rund 1 Million

  • Äthiopien 800 000. Das Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland ist 28 Mal so hoch wie in Äthiopien. 
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Wer geht, wer muss gehen?

Freiwillig. Mit dem wichtigsten Bund-Länder-Rückkehrerprogramm Reag/Garp sind von Januar bis Ende September des vergangenen Jahres (2017) insgesamt 24.569 Personen ausgereist. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion im Deutschen Bundestag hervor. 18.406 dieser vom Programm geförderten Rückkehrer waren demnach abgelehnte Asylbewerber.

Unfreiwillig. Abgeschoben wurden per Flugzeug im selben Zeitraum in Deutschland laut Antwort auf die Linken-Anfage insgesamt 16.700 Menschen, die zuvorderst nach Albanien, Kosovo und Serbien zurückkehren mussten. Marokko befindet sich auf Platz sieben der Zielländer. Hinzu kamen 1.453 Abschiebungen über den Land- oder Seeweg. Diese gingen überwiegend nach Polen, in die Tschechische Republik und nach Belgien.

222 Mal
haben Piloten in den ersten neun Monaten des Jahres 2017
eine Abschiebung gestoppt. Sie weigerten sich,
die ausreisepflichtigen Personen zu transportieren.
Lufthansa war über 100 Mal betroffen - und erklärt.
Quelle